Quartierverein Herten-Bannhalde


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Weihnachtsgeschichte

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Weihnachtsgeschichte 2011 - Engel oder Hirte?

Sonia liegt auf ihrem Bett und weint. Grosse Tränen rollen ihre Wangen hinunter. "Was ist los? Warum überschwemmst Du die Wohnung?" fragt Lisa, ihre Schwester. Doch Sonia schluchzt nur: "Lass mich in Ruhe!" Da kommt Tom die Treppe hinauf. Tom ist der älteste der drei Geschwister. Er ist schon in der Berufslehre als Schreiner und kommt gerade von der Arbeit nach Hause. Als er in sein Zimmer gehen will, hört er das Schluchzen von Sonia. Tom tritt in Sonias Zimmer und setzt sich neben sie aufs Bett. "Geht es Dir nicht gut?" fragt er behutsam. Sonia hebt ihren Kopf vom Kissen und schaut Tom an: "Ich möchte nicht mehr in die Schule gehen, bis das Jahr vorbei ist!" Erstaunt fragt Tom weiter: "Warum willst Du nicht mehr zur Schule?"

Jetzt setzt sich Sonia neben Tom und beginnt alles der Reihe nach zu erzählen: "Wir spielen, wie jedes Jahr, das Krippenspiel und da wollte ich einen Engel spielen. Doch die Lehrerin sagte, alle, die letztes Jahr ein Engel waren, spielen dieses Jahr einen Hirten. Ich mag keinen Hirten spielen, die Engel sehen doch viel schöner aus!" "Das ist wirklich ein Problem." antwortet Tom auf den fragenden Blick von Sonia. Dann sitzen sie eine ganze Weile still nebeneinander. "Hirten sind aber schwieriger zu spielen als Engel." bricht Tom das Schweigen. Ungläubig fragt Sonia: "Warum sind Hirten schwieriger zu spielen?"
So beginnt Tom zu erzählen: "Engel machen doch immer das Gleiche beim Krippenspiel, sie sehen schön aus, stehen da und rauschen mit den Flügeln, singen ein Lied im Chor und verkünden, dass Gottes Sohn geboren ist. Engel machen, was Gott ihnen aufträgt, Hirten haben einen freien Willen. Sie hüten die Schafe, wärmen sich am Feuer, sind voller Furcht wenn die Engel erscheinen, staunen und zweifeln, diskutieren miteinander, eilen zum Stall, hoffen und glauben, beten das Kind in der Krippe an und bringen ihre Geschenke.
Zudem sehen alle Engel gleich aus. Bei den Hirten ist keiner gleich wie der andere, jeder ist eine eigene Persönlichkeit, das ist viel schwieriger zu spielen und auch viel schöner!" "Das sagst Du nur, um mich zu trösten!" meint Sonia. Tom schüttelt energisch den Kopf: "Nein wirklich, ich wollte auch einmal unbedingt einen Engel spielen. Ich war auch ein sehr schöner Engel, konnte das Lied, das wir im Engelschor sangen, auswendig und freute mich auf die Aufführung.
Doch als wir auf die Bühne gingen, stand ich auf mein langes Engelskleid und fiel der Länge nach hin. Als ich aufstand, verlor ich meinen Heiligenschein und als ich mich nach ihm bückte, schlug ich mit dem Kopf von Gregor zusammen, der sich auch nach dem Heiligenschein bückte. Ich blutete so aus der Nase, dass ich weinend die Bühne verliess und mich den ganzen Abend schämte.
Das war mein Auftritt als Engel und seitdem spielte ich immer einen Hirten." Sonia lachte nun herzhaft, doch dann meint sie: "Das kann dir doch auch als Hirte passieren, dass du hinfällst?" Tom nickte: "Natürlich kann man auch als Hirte hinfallen, obwohl die Gefahr kleiner ist, da man kein langes Engelsgewand trägt.
Wenn du aber trotzdem hinfällst, sieht es aus, als ob du erschrickst oder dich in Anbetung auf die Knie sinken lässt.
Wenn du dabei den Hut verlierst, so ist das auch nicht schlimm, auch dies sieht aus wie echt und gehört zur individuellen Rolle eines Hirten." "Ja, ich brauche unbedingt einen Hut, dann verneige ich mich so vor dem Jesuskind." sagte Sonia beim Aufstehen und macht eine tiefe Verneigung, bei der sie elegant die Hand vom Kopf bis zum Boden in einer weit ausladenden Geste führt als ob sie ihren Hut abnehmen würde.

"Ist alles wieder gut?" fragt Tom. Sonia nickt. "Und Du gehst wieder gern zur Schule?" Auch dazu nickt Sonia. "Und Du kannst sicher die schwierige Rolle eines Hirten spielen?" fragt Tom herausfordernd. "Ja, ich kann alle Hirten der Welt spielen." "Und nun singen wir noch ein Lied zusammen." sagt Tom und verschwindet in seinem Zimmer, von wo er gleich wieder mit seiner Gitarre zurückkommt. Er schlägt ein paar Akkorde an und dann singen sie ‚Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun'.

Und so spielt Tom Gitarre und sie singen bis die Mutter sie zum Abendessen ruft.

Bruder LEO Gauch




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